Gipfelkreuz Großglockner, 3.798 m

 1Groglockner Hacquet

Kupferstich 1782 von Belsazar Hacquet

 

Material / Technik

Ca. 3 m hohes, massives Kreuz, konstruiert aus Eisenrohren und rahmenden Eisenlatten, verbunden durch geschmiedete Schrauben; an den Kreuzenden jeweils ein profilierter Knauf, im Schnittpunkt des Kreuzes kreisrunde Scheiben. Kleiner Corpus Christi. Gewicht 330 kg.

Das Gipfelkreuz
Die Geschichte rund um die Gipfelkreuzsetzung am Großglockner beginnt mit dem Erstbesteigungsversuch des Großglockners im Jahr 1799; der Hauptgipfel wurde damals noch nicht erreicht. Somit wurde das mitgebrachte Kreuz kurzerhand auf dem Vorgipfel, dem Kleinglockner, aufgestellt. Dieses ist somit das erste seiner Art! Erst im Folgejahr 1800 war man mit der Erstbesteigung des Hauptgipfels erfolgreich und konnte das mitgebrachte Kreuz am Gipfel errichten. Einer der Teilnehmer, Pfarrer Franz Joseph Orrasch, hielt damals fest: „Der Fürstbischoff hatte ein grosses mit 4 vergoldeten beweglichen Blenden versehenes eisernes Kreuz mit sich gebracht, woran die Blenden dergestalten gerichtet sind, dass wenn sich eine bewegt, sich alle bewegen müssen.“

Mit den beiden Gipfelkreuzsetzungen an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert befindet sich das Gipfelkreuz als Glaubenssymbol mitten in bedeutenden Umbrüchen, welche die Menschheit bewegten und weiter noch bewegen sollten: Das Jahrhundert der Aufklärung wechselt in das Jahrhundert des Bevölkerungswachstums, des Verkehrs, zahlreicher technischer Errungenschaften und der sozialen Revolution. Wenn der Historiker Ian Mortimer schreibt, die Aufklärung des 18. Jahrhunderts sei ein Versuch gewesen, die Beziehung der Menschen zur natürlichen Welt neu zu ordnen – ausschließlich an der Vernunft orientiert, ohne Rückgriff auf Magie, Aberglauben oder Religion, dann beschreibt er damit kurz und bündig das damalige Gefühl der Zeit.

Und zum anderen steht das Gipfelkreuz an seinem alpinen Ort nicht nur hoch über den sich wandelnden Lebenswelten der Menschen, sondern es besetzt einen Raum, der früher Gott vorbehalten war. Erst die neue Sicht auf die Natur, verbunden mit Neugier und Forscherdrang, legte im 18. Jahrhundert den Grundstein für die kommenden alpinistischen Erkundungen, Entdeckungen und Erstbesteigungen. Die Menschen haben damit begonnen, sich die alpine und hochalpine Natur anzueignen.

Die beiden Gipfelkreuzsetzungen von 1799 und 1800 gehen auf die Initiative von Theologen zurück und sollten zuerst einmal auch entsprechend gedeutet werden. Sie sind menschliche Artefakte, die an ehemals mit Tabus belegten Orten nun auf den Alltag der Menschen herunterschauen, bzw. umgekehrt es diesen ermöglichen, jederzeit andächtig nach oben zu sehen. Ebenso aber sind sie auch Zeichen für die profane Eroberung des Himmels durch die Menschen; Zeichen für die Ausdehnung des Erfahrungsraumes, nicht aber für die Verdrängung Gottes, denn die Menschen fänden mit den neu errichteten Gipfelkreuzen laut Marianne Klemun eine neue und besondere Qualität der Gottesnähe.

Im Lauf der Jahrzehnte sorgten zahlreiche Blitzeinschläge dafür, dass bis zum Jahr 1879 nur mehr ein paar verbogene Stangen des ursprünglichen Kreuzes am Gipfel vorhanden waren. Anlässlich des 25jährigen Ehejubiläums des Kaiserpaares entschied der Vereinsvorstand des kürzlich neu gegründeten Österreichischen Alpenklubs ein neues Kreuz auf dem Großglockner errichten zu wollen. Deswegen spricht man auch vom „Kaiserkreuz“. Für den Entwurf war der Wiener Architekt Friedrich von Schmidt verantwortlich, die Aufstellung erfolgte gemeinsam mit Kalser Bergführern.

4Foto Eiter            Abbildung 12 Detail Glocknerkreuz

Foto Gipfelkreuz Großglockner: Andreas Eiter                                                                                      Detail Gipfelkreuz Großglockner (Foto Kunz)

 

Vom alten Kreuz übernommen wurde die Idee der Vergoldungen, in seiner Kreuzmitte ist ein goldener Reflektor angebracht. Er trägt folgende Widmung, datiert mit 1922: "Die Ihr auf unserer Heimat höchster Zinne steht, wie sie durch dunklen Fels zum Lichte geht, Denkt derer, die aus Licht ins Dunkel gingen, Dem Vaterlande helles Licht zu bringen. Denkt Ihrer treu, dann wird dem Mutterland Ihr Tod der Auferstehung Unterpfand."
Weitere Inschriftentafeln für die im Ersten Weltkrieg gefallenen und vermissten Mitglieder des Österreichischen Alpenklubs, sowie zum 200-Jahr-Jubiläum der Erstbesteigung des Großglockners und zur Erinnerung an die jüngste Restaurierung wurden im Lauf der Jahrzehnte am Kreuz angebracht.

   

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 Warten auf dem Kleinglockner (Foto Kunz)                                                                 Anstieg über den Kleinglockner auf den Großglockner (Foto Kunz)

Weitere Details zur Geschichte dieses Gipfelkreuzes im Buch „Gipfelkreuze in Tirol. Eine Kulturgeschichte mit Gegenwartsbezug“:
* Prägung einer Gedenkmedaille zur Erstersteigung 1799 (??) des Großglockners mit Gipfelkreuzsetzungen.
* Was bedeutet das Herumturnen auf dem Kreuz durch den Theologiestudenten Valentin Stanig 1800 am Tag nach der Kreuzsetzung?